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Wie die Jünger unterwegs

von Briallos nach Herbón - Datum: 5. Oktober 2016

4. Vierter Tag :
„Sie erkannten ihn, als er das Brot brach“.
Thema : Neubestimmung / Was bringt die Zukunft 

Tagesimpuls: Neubestimmung / Was bringt die Zukunft

Thema: Neubestimmung/Was bringt die Zukunft

Sie sagten zueinander: "Hat es uns nicht tief berührt, als er unterwegs mit uns sprach und uns die Heilige Schrift erklärte?" Ohne Zeit zu verlieren, liefen sie sofort nach Jerusalem zurück. Dort waren die elf Jünger und andere Freunde Jesu zusammen. Von ihnen wurden sie mit den Worten begrüßt: "Der Herr ist tatsächlich auferstanden! Simon Petrus hat ihn tatsächlich gesehen!". Nun erzählten die beiden, was auf dem Weg nach Emmaus geschehen war und dass sie ihren Herrn daran erkannt hatten, wie er das Brot austeilte.

Wie die Jünger unterwegs... Tag4

Die vierte Etappe führt uns von Briallos über Caldas und Valga nach Herbón

Im Verlauf der vierten Tagesetappe  pilgern wir meistens auf wenig befahrenen Nebenstraßen über die Orte Valbón und Souto, wo wir nur wenig später das kleine Flüsschen «Rio Umia» überqueren und Caldas de Reis erreicht haben. Die Thermalquellen des Ortes waren sicher schon zu vorchristlichen Zeiten bei den hier siedelnden Menschen beliebt. Erst die Römer schließlich bauten Caldas de Reis zu einer umfassenden Badeanstalt aus. Ein Besuch mit eventl. Eucharistiefeier in der Kirche von Caldas und ein Besuch in den Balnearios (Therme) runden diese Ort ab. Den Ort Caldas de Reis durchqueren wir danach das Ortszentrum und kommen dann am Ortsrand über einer alten Römerbrücke. Es gibt hier auch ein Café der Pilger herzlichst willkommen heisst Café Esperón. Und für die jeniegen die eine einfache, typische galizische Kneipe besuchen möchte, ist am Ortsausgang die Bar Tres Molinos. Doch soooo früh am morgen werden diese noch geschlossen haben. Auf dieser Etappe haben wir wieder landschaftlich sehr reizvolle Wegstrecken vor uns. Das erste Teilstück ab Caldas de Reis führt uns auf einem bewaldeten Abschnitt zuerst am Bachlauf des «Rio Bermaña» entlang, bevor wir bei O Cruceiro die Anhöhe und mit 150 Höhenmeter auch den höchsten Punkt des heutigen Tag erreicht haben. An der schön gelegenen Kirche «Santa Maria de Carracedo» vorbei, kommen wir über Cortiñas und Casalderrique nach O Pino, wo im Jahr 2011 eine öffentliche Pilgerherberge neu errichtet wurde. Das Tagesziel heisst aber Pontecesures zur öffentlichen Herberge oder 2km weiter die Herberge im Kloster von Herbón (wenn Platz vorhanden.) . Sollte auch hier kein Platz zur Verfügung stehen gilt es bis nach Padrón (weitere 2km) und dort in der Herberge unterzukommen oder in private Unterkünfte. Oder zurück nach Pontecesures 

Wie die Jünger unterwegs… Teil 4   -    Datum: 05.10.2016

Noch ist es dunkle Nacht und ich werde durch ein liebliches galizisch-schwyzer-dütsches Geschnatter geweckt. Auf die andere Seite drehen hat keinen Sinn, den ich stehe unter dem Bett, wo mich mein Träger seit gestern abgestellt hat. Jetzt muss ich mich erst einmal vorstellen: Ich bin der entscheidende Faktor auf der Pilgerreise meines Besitzers, seine linke Sandale. Seit heute weiß ich, dass Pilgern auch schon mitten in der Nacht losgehen kann. Als Strafe für die Erinnerungslücken von gestern? Da freue ich mich lieber über den Segen, der allen zugesprochen wird und bei dem sogar ich angefasst werde, damit mit mir gut gepilgert werden kann, heute unter dem Motto: Heil erfahren. 

Aus meiner Sicht, von ganz unten, aus der ich ja berichte, muss ich sagen: Ich bin heute mal ein ganzes Stück unbeschwert gewesen, weil mein Besitzer gefahren wurde. Ich glaube allerdings, Heil erfahren bedeutet nicht nur, das es mir gut geht, sondern ich kann auch Heil erfahren, wenn ich dazu beitrage, anderen Heil zu bringen. Ich habe Gespräche belauscht, in denen es darum ging, wer welche heile (heilige?) Momente in seinem Leben hatte. Oft war es so, dass anderen Heil bringen erfüllender war, als selbst geheilt zu werden. Und gerade dann wurde diese Situation von beiden als heilig erfahren. Vielleicht auch von den beiden Jüngern und gleichzeitig von Jesus, als sie ihn in Emmaus beim Brot brechen erkannten und er sich von ihnen erkannt erlebte. Aber ob ich als linke Sandale überhaupt solche Gedanken haben darf? Andererseits - wozu bekommen wir denn die Impulse, wenn wir nicht unseren Gedanken freien Lauf lassen dürfen? 

Aber ich komme ja ganz ins Philosophieren und vergesse, dass ich die Aufgabe bekommen habe, von unserem Pilgerweg (4. Etappe) zu berichten. 

Für mich ist er heute etwas kürzer als für meine Freunde, die schweren Wanderstiefel, aber mein Besitzer begleitet unsere Alibifrau Domenique, der es heute nicht so gut geht, um schon wieder 22 km zu laufen. Zum Glück organisiert Juan ein Taxi, und so erspare ich mir auch die Hälfte der heutigen Strecke von Briallos über Caldas de Reis nach Padron. Immerhin hat es heute morgen, inzwischen ist die Sonne aufgegangen, noch gereicht, die Füße in die heiße Therme zu tauchen, so dass ich nun einen frisch gewaschenen Fuß umgürte. Und zum Füllen der Wärmeflasche dient die nächste heiße Quelle. Diese Füllung reicht bis zur Kirche "Santa Maria de Carracedo", wo wir wieder auf meine Kumpels treffen, deren Besitzer sich bereits mit Obst, Brot, Käse und Wein laben. Wurst und Schinken bekommen sie erst jetzt! 

Nach einem Impuls mittels des Gedichtes: "O Seele, suche mich in dir" von Teresa v. Avila trennen sich unsere Wege schon wieder. Irgendwann in der Lkw-Raststation Los Camioneros höre ich später, dass sich unsere Pilgergruppe weiter reduziert habe, weil Enzo statt in der Gruppe lieber mit seinem Stock pilgern will... und mein Besitzer erzählt etwas von politisch unkorrekten 10 kleinen Negerlein. 

Aber alles klärt sich auf, mein Turnschuhbruder hat es mir abends erzählt: Nach einem Abstecher in der wahrscheinlich glücklichsten Kita Spaniens, in der Enzo voller Begeisterung seinen Pilgerstab stehen ließ, kehrte er noch einmal dorthin zurück. Und dann half nur noch Handy-Ortung, damit die Gruppe sich wieder zusammenfand. Nach anstrengenden, 1000 gefühlten Kilometern durch eine wunderbare Landschaft treffen sich unsere Träger dann alle wieder im "Konvent de Herbon", einem Franziskanerkloster, in dem die Pilger selbst entscheiden, was sie für Unterkunft und Verpflegung geben wollen. 

Nach solchen, letztlich heilbringenden Erfahrungen, werde ich wieder unter's Bett gestellt, und muss warten, was Badelatsche mir heute Nacht noch berichten wird. Das sei schön schnell gewesen - so eine spanische Messe - aber Martin habe toll konsekriert, erzählt sie mir unter dem Bett. Und dann höre ich selbst, weil von Bettruhe keine Rede mehr sein kann: Nach dem anschließenden Abendessen wird noch eine Hexenmesse - genannt Quemada - gefeiert und mit gefühlt zig PilgerInnen und Felix, dem katholischen Gastgeber und Mönch, werden unendlich gute Gespräche geführt und Mailadressen ausgetauscht, bis der letzte Messwein und diverse weitere Flüssigkeiten vernichtet werden. Antonia und unserem Francesco wird noch einmal vor Mitternacht zum Geburtstag gratuliert und endlich ist Ruhe. 

Michael Scherer-Faller

Adresse

Kath. Pfarrei Sankt Margareta
Sieringstr. 1
65929 Frankfurt Unterliederbach

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pfarrbuero@margareta-frankfurt.de